precious red rose
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  precious red rose - Die Absicht

 

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Bérénice

Der R?ckzug

Entt?uscht stehe ich hier. Meine Seele ist fl?ssig. Tropf, tropf. Fallen die Tr?nen. Tropf. Meine Seele n?hrt sich von meinen Tr?nen.

Ich ?ffne den Schrank. Der Schrank h?ngt an der Wand. Als wir noch kleine Kinder waren, kamen wir nicht an den Schrank dran. Nur mit einem Stuhl. Aber ich kann mich nicht erinnern, je mithilfe eines Stuhls an diesen Schrank gegangen zu sein. Ich war an allen Schr?nken und Regalen, aber sicher nicht an diesem.
Jetzt, wo ich gr??er bin, kann ich einfach an den Knauf fassen und den Schrank ?ffnen. Da ich aber nicht so ganz gro? bin, muss ich mich ein bisschen recken um hineinsehen zu k?nnen, in das untere Fach. In diesem Schrank sind Erinnerungen.
Kaputte Silberkettchen. Zum Beispiel. Der Sternzeichen-L?wen-Anh?nger meines ?lteren Bruders. Der des Sch?tzen meines j?ngeren Bruders. Wir haben alle sehr starke Sternzeichen, glaube ich. Und der ?lteste von uns, der ist Waage. Unser Gleichgewicht. Die Gerechtigkeit. Ich hatte keine Kette in Form meines Sternzeichens. Keine silberne. Meine war golden und daran war ein Stein befestigt. Ein oranger Stein, der vermutlich irgendwas mit Feuer und Planeten zu tun hat, ich wei? es nicht. Ich bin auch L?we. Ich bin auch stark. Mein Herz k?mpft.
Das erste, was ich aus dem Schrank herausnehme, ist eine kleine Box. Mit Holl?ndern drauf. Fr?her waren wir oft in Holland. Ich stelle sie vor mich auf den Wohnzimmertisch und ?ffne sie. Sand. Und Muscheln. Aber sicherlich nicht aus Holland. Ich rieche das Meer. Und erinnere mich. Wir hatten diese Muscheln gesammelt. Und den Sand mitgenommen. Damit wir immer an das Meer denken k?nnen. Aber bitte, wer vergisst schon das Meer? Wir hatten den Geruch mitgenommen. Ich starre die Sandk?rner an, blinzele. Mache den Deckel zu. Fast sah ich mich lachen, klein und dumm und in dem Glauben, dass so alles gut war, wie es war. Ich hatte gern, sehr gern diese Muscheln gesammelt.
Man sollte Erinnerungen vielleicht besser ruhen lassen. Aber dazu bin ich nicht in der Lage. Vor allem jetzt nicht. Wo Erinnerungen das Sch?nste und zugleich das Grausamste sind, was ich habe. Ich grinse. Und fahre mir mit der Zunge ?ber die Lippen. Schiebe die Box an die Tischkante. Und greife wieder in den Schrank. Schmuck. Ohrringe aus echtem Silber und viel Gold? mit Steinen? sicherlich Geschenke meines Vaters an meine Mutter. Mein Vater. Und meine Mutter. Mama, Papa. Vater, Mutter. Sie hatte sie sicherlich niemals getragen. Sie waren ja auch noch verpackt. Einfach in diesen Schrank getan, damit man sie vergessen konnte und nicht tragen musste, weil Papa und Mama, Vater und Mutter, ja auch verschiedene Geschm?cker hatten. (Sicherlich k?nnte ich mir von dem Geld, das diese dummen Erinnerungen bringen w?rden, eine neue Hose kaufen. Ich will gerne eine neue Hose haben und gehe auch mit meiner Mutter eine kaufen. Aber warum nicht von dem Geld diese sinnlosen Geschenke, die niemand haben m?chte, weil sie niemands Geschmack sind?) Solche Ohrringe sind allerdings jetzt gerade auch modern. Eine meiner Freundinnen hat sie in rosa. Zwei andere in verschiedenen Blaut?nen. Aber ich mag diese Ohrringe nicht. (Lieber sollte man sie wieder verkaufen.) Ich bin ver?rgert. ?ber die dicken Silberketten, die noch in ihren Schachteln hinten in der Ecke des Schrankes liegen. Und die niemand tr?gt. Ich Reihe die kleinen Schmuckk?stchen auf dem Tisch aneinander.
Da steht auch eine Schale im Schrank. Und da sind viele kleine Sachen drin. Unter anderem ein zerbrochener Krug. Ein sehr kleiner. Der f?r mein Puppenhaus gedacht gewesen war. Auch aus Holland, Ameland. Unsere Gerechtigkeit hatte ihn mir mitgebracht. In meinem Puppenhaus hatte unsere gesamte Familie gelebt. Und in der Familie war alles sch?n und gut und richtig gewesen. Der Krug war sicherlich von einem meiner Br?der kaputt gemacht worden. Von dem L?wen oder dem Sch?tzen. Aber sicherlich nicht von mir. Ich hatte meine Sachen nie kaputt gemacht. Und ein Schl?ssel war auch da. Aber ich wusste nicht, wozu der Schl?ssel war. Wem er geh?rte. Und zu welchem Schloss. Ich k?nnte ihn ?Schl?ssel meiner Seele? nennen und ihn mir einfach um den Hals binden. Die Leute w?rden das verstehen. Ich tue so seltsame Sachen manchmal, aber es ist nicht schlimm, sie sind es ja gew?hnt. Schl?ssel meiner Seele. Und der zerbrochene Krug zu dem kleinen Haus mit den Holzpuppen, bei denen alles in Ordnung und sch?n und gut war und die meine Familie darstellen sollten. Niemand kann meine Familie so schlecht darstellen, wie ein Haufen Holzk?pfe, bei denen alles in Ordnung ist. Denn: In meiner Familie gibt es ganz sicherlich keinen einzigen Holzkopf. Und: Es ist ganz und gar nicht alles in Ordnung.
Ich stelle also die Sch?ssel auch auf den Wohnzimmertisch. Immer tue ich so seltsame Dinge mitten in der Nacht. Es ist viertel vor drei morgens. Warum also schlafe ich nicht? Ich f?hle mich unzufrieden. Rastlos. Und darum w?hle ich etwas in der Vergangenheit. Und sehe mir die Dinge in diesem Haus an, in dem ich schon einen Gro?teil meines Lebens verbracht habe, die ich nie vorher gesehen habe, weil sie niemals aus ihren Verpackungen herausgekommen sind. Super.
Eben habe ich in der K?che gekniet. Vor meiner Katze. Ich habe ihren dick befellten Kopf zwischen meine H?nde genommen und ihr in die gelborangen Augen gesehen. Sie sah mich auch an. W?re sie ein Mensch, sie w?rde mich lieben, das wei? ich. Sie w?rde mich so sehr lieben wie ich sie. Meiner Katze geht es nicht so gut in letzter Zeit. Sie dreht sich vollkommen sinnlos im Kreis und springt gegen die Fenster. Dabei lasse ich sie immer vor die T?r, wenn sie m?chte. Sie springt auch nur gegen die Fenster, hinter denen es sehr tief runter geht. Ich glaube, sie m?chte sich umbringen. Vielleicht gibt es ja so was. Ein Lemming-Syndrom vielleicht. Dann fra? sie vorhin auch irgendwas, das auf dem Boden meines Zimmers lag. Ich wei? immer noch nicht, was es war. Aber ich habe doch keine Lebensmittel auf dem Boden meines Zimmers liegen. Sie wollte sich sicherlich damit umbringen. Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Und jetzt habe ich ihr auch noch gesagt, dass sie nur adoptiert ist. Da sa? noch die Waage, die Gerechtigkeit, im Wohnzimmer. Und lachte. Und sagte: ?Wie gehst du denn ab?? Und ich streichelte meine Katze und sie trottete durch den Raum, die Nase am Boden, und wollte einen Staubflusen aufessen, den sie fand. Aber ich nahm ihn ihr weg und warf ihn in den M?ll. ?Du sollte keine Sachen vom Boden essen?, sagte ich. Und die Waage lachte. ?Du bist ja echt wie ne Mutter!? Ich nahm meine Katze auf den Arm, ?Ich h?tte dir das ja fr?her gesagt?, brummte ich und knuddelte sie. (Man kann sie gut knuddeln. Sie ist irgendwie in den letzten Monaten sehr dick geworden.) ?Aber ich liebe dich trotzdem wie meine eigenen Kinder auch.? Seltsamerweise ist meine Katze sehr anschmiegsam und auf mich fixiert. Und auch ich h?nge sehr an ihr. Ich gehe ?berall hin, meinetwegen, rei?t mich doch aus dem Leben hier raus. Aber nur, wenn ich meine Katze mitnehmen darf. In ihr steckt all die Liebe, die ansonsten verloren gegangen w?re.
Aber zur?ck zu dem Schrank. Jetzt kommen wir zu den seltsamen Dingern, die wie Seelen lachen. Zwei ganz kleine Leders?ckchen. Ich nehme sie in die Hand und sie klingen. Ich setze mich. Schn?re eines der S?ckchen auf. Darin ist eine kleine Murmel. Wenn man sie sacht anst??t und sie rollen l?sst, dann klingt sie leise. Ich denke einfach, dass es das Ger?usch ist, das am ehesten dem einer lachenden Seele gleichen mag. Man darf sie nicht zu doll sch?tteln, dann h?ren sie sich nicht mehr sch?n an. Nur ganz langsam rollen lassen. Und ganz still sein. Sehr still. Dann lacht die kleine Seele. Ich st?tze den Kopf in die H?nde und betrachte die kleine lachende Seele, wie sie so ?ber die schwarz-wei? gestreifte Tischdecke kullert. Ich h?tte gern zwei diese rollenden, lachenden Seelchen. Das eine w?rde ich behalten. Und das andere demjenigen schenken, von dem ich denke, dass er mir im Leben am meisten bedeutet. Ich kenne denjenigen sicher noch nicht. Ich m?sste es jemandem schenken, der genau wie ich darin eine lachende kleine Seele sieht. Aber ich denke nicht, dass es so jemanden gibt. Jemals geben wird. Es w?rde mir vermutlich genau so gehen wie dem Typen in ?Der kleine Prinz? mit seiner Riesenschlange, die einen Elefanten verschluckt hat. Ich fessle die Seele wieder, schn?re das Leders?ckchen zu. Kleine Seele. Ich lasse sie leicht klingen und drehe mich dann wieder zu dem Schrank um. Noch so viele kleine Kistchen. So viele kleine Dinge, die sich so lange niemand angesehen hat. In mir steigen Tr?nen hoch. Ich erhebe mich noch mal, gehe zu dem Schrank und sp?he hinein. Hinten liegt eine kleine Dose. ?Erste Locke? steht darauf. Sie ist umgekippt. Und da ist keine erste Locke drin, sondern ganz viele kleine wei?e Z?hnchen liegen verstreut auf dem Schrankboden. Das gesamte Milchzahngebiss meines Bruders. Der Waage. Milchz?hne. Meine auch. Und die der anderen. Unsere Vergangenheit steckt in diesem Schrank. Und ich will gar nicht wissen, was da noch so drin ist. Ich will gar nicht erst die Kisten auf dem Speicher ?ffnen. Oder mir die Kinderbilder noch mal ansehen. Ich mag unsere Kinderbilder sehr gerne. Wir haben massenweise Dias von uns. Wir k?nnten uns stundenlang selbst ansehen. Wir waren auch wirklich s??e Kinder. Aber ich will nicht mehr. Unsere lachenden Seelen sind in kleinen Lederbeutelchen verstaut. Das L?cheln mit unseren unschuldigen Milchzahngebissen gibt es auch nicht mehr. Die sind in komischen kleinen D?schen, in die eigentlich unsere ersten Locken hinein m?ssten. Jetzt haben wir alle schon die ersten grauen Haare, obwohl erst einer von uns ?ber das Alter von zwanzig hinaus ist. Auf meiner Stirn und um meinen Mund bilden sich schon Falten. D?nne Linien. Wenn ich sie auf Zeichnungen zu sehr betone, sehe ich aus wie eine Oma. Wie Chucky, die M?rderpuppe.
Entschuldigung, aber ich trete den R?ckzug an! Ich habe ausgek?mpft! Ich habe bewiesen, dass ich stark bin! Entschuldigung, aber ich muss jetzt gehen. Hastig verstaue ich alles wieder in dem Schrank und schlie?e die T?r. Dieser Ort ist verflucht. Dieser Ort macht uns alle krank. Es ist mitten in der Nacht. In diesem Schrank da sind unsere lachenden Kinderseelen und unser kindliches Lachen verstaut. Unsere Sehnsucht nach der Weite des Meeres und die Last der Geschenke, f?r die man sich nie revanchierte? mir wird schlecht. ?ENTSCHULDIGUNG!?, schreie ich in das schlafende Haus. ?ENTSCHULDIGUNG, ABER ICH TRETE DEN R?CKZUG AN! DIE SCHLACHT IST AUSGEK?MPFT!?
Es h?rt mich niemand. Da sitzen nur meine drei Katzen. Meine W?chter des Reiches der Toten. Und sehen mich mit ihren gelben Augen an. Fragend. Drei ist eine magische Zahl.
Ich sinke in die Knie und vergrabe mein Gesicht in den H?nden. Weine. Ich will nicht so schwach sein. Ich habe doch das Herz einer K?mpferin. Ich will nicht so schwach sein. Ich wurde doch geboren, um eben genau das nicht zu sein. Ich wische mir mit dem Handr?cken ?ber das Gesicht. Dann stehe ich auf. Gehe zur Haust?r und ?ffne sie. Laufe barfu? raus in den Schnee. Lege den Kopf in den Nacken. Meine H?nde zu F?usten geballt. Hinter mir kommt meine kleine Armee des Schreckens, die mich niemals allein l?sst. Diese gelben Augen mustern mich, als ich anfange, zu heulen. Mitten in der Nacht den Mond anheule. Manchmal tue ich seltsame Dinge. Aber die Leute sind das ja von mir gew?hnt.


thoughts: B?r?nice

30.12.05 20:30


Warum h?rt ihr nicht zu ?

[der Text hat ne seltsame Wendung genommen, was vielleicht daran liegt, dass sich die Umst?nde hier ver?ndert haben im Laufe des Schreibens. Und dass ich zwischendurch chatten musste und en E-Mail schreiben. Mit. / An. Wem. / Wen. Wohl.)

F?r dich. Und doch eher f?r mich.
Soll mich das jetzt tr?sten?
Ich sehe dich gerne an. Und vielleicht stehe ich mit der Meinung dar?ber, dass du sch?n bist, alleine da. Aber ich glaube es dir nicht. Was soll ich denn tun. Ich wei? es besser als du. Ich wei? es besser und das liegt ausnahmsweise nicht daran, dass du zu doof bist, um das zu erkennen. Ich kann es doch nicht jedem Menschen einzeln sagen. Ich stehe da, mit diesem Ding brennend in mir und wei? nicht, wie ich es dir verst?ndlich machen soll. Ich will dich brandmarken. Es dir ins Gesicht brennen, bis durch zu deinem Hirn. Ich will es dir aufs Herz dr?cken, dass es mit dem Blut durch deinen ganzen K?rper gepumpt wird. Ich m?chte doch einfach nur, dass du es begreifst.
Vielleicht hast du nie danach gefragt. Ich habe immer gefragt. Bin ich sch?n? Das war genau so ein Fehler.
Vielleicht hast du nie jemanden danach gefragt. Beantworte es dir nicht selbst so. Bitte.
Stell dich nicht vor den Spiegel, sieh dich an und sag so was.
Es verletzt dich doch, wenn jemand sagt, du seiest h?sslich.
Es tut dir doch weh.
Also sag nicht selbst ?ber dich, du seiest h?sslich.
Du verletzt damit nicht nur dich selbst, sondern auch die, die dich lieben.
Du bist sch?n und wirst immer sch?n sein f?r sie.
Ich finde dich sch?n. Und das hei?t nicht, dass ich mir anma?e, dich zu lieben. Bei mir ist das etwas anderes. Ich bin nicht mehr so ganz dicht, wei?t du.
Aber ich h?rte Leute voneinander reden. Sie redeten voneinander, wie von G?ttern und G?ttinnen der Sch?nheit. Und als ich sie sah, stutzte ich. Ich legte den Kopf schief und betrachtete sie sehr lange. Sie wussten ja nicht, dass ich sie beobachtete. Wussten nicht, dass ich sie mit diesen Gedanken im Hinterkopf beobachtete. Ich empfand sie nicht als sch?n. Fast schon grenzte es an das, was man H?sslichkeit nennen mag. Ich verbarg mich hinter einem Stein, w?hrend sie im klaren, kalten Wasser des kleinen Flusses badeten. Die Blicke, die sie sich zuwarfen. Sie liebten einander. Voller Zweifel verlie? ich diesen Ort und ich kam mir vor wie irgendein Typ aus der Bibel. Ich a? nichts mehr und dachte nur noch nach. Ich heulte. Und begriff langsam. Ganz langsam. Wie soll ich dir und allen anderen das begreiflich machen? Ihr wollt ja nicht denken. Es ist eure eigene Schuld. Ich kann nicht jedes eurer Gesichter zwischen meine H?nde nehmen, euch in die Augen sehen und sagen: ?Du bist sch?n! Sch?n!? Ich k?me mir reichlich bl?d vor. Wie diese Freaks, die ?berall ?Jesus liebt dich? hinkrickeln. Ich bin von etwas ?berzeugt. Aber bin ich stark genug, es zu vertreten? Reicht es denn, wenn ich es denen sage, die ich liebe? Ich bin ja nicht Jesus. Ich werde von keiner eingebildeten, h?heren Macht geleitet, ich bin einfach nur ich selbst. Ich bin auch kein Prediger. Wenn man jemandem zu oft sagt, dass er sch?n ist, dann wirkt es irgendwann ausgelutscht. Wenn man es ihm niemals sagt, dann? ich kann es mir nicht vorstellen?
Was will ich von euch?
Will ich, dass ihr liebt?
Oder, dass ihr endlich kapiert, dass ?u?erliche Sch?nheit total relativ ist?
Ich sehe auch sch?ne M?nner an. Sehe ihnen nach. F?hle mich in ihrer Gegenwart wohl.
Aber seht den Typen, dem ich aus unerfindlichen Gr?nden mein kleines Herz geschenkt habe. Ihr sagt, er sei h?sslich. H?SSLICH?? Wisst ihr, was ich sehe, wenn ich ihn sehe? Ich sehe sein Herz. Schlagen. Ich stelle mir vor, meine Hand durch seine Haut hindurch auf dieses nasse Herz zu legen. Ich glaube, es ist ein starkes Herz. Ein gutes Herz. Ich sehe ihn an und muss den Kopf schief legen. Ich muss l?cheln. Mir wird warm, wenn ich ihn ansehe. Ich w?rme mich an ihm. Aber wie kalt wird mir bei dem Gedanken, er k?nne mich nicht sch?n finden, weil er zu sehr aufs ?u?ere fixiert ist?
(Warum habe ich Zweifel, wenn sie mir doch sagen, ich sei sch?n? Ich will es selbst nicht glauben, weil ich nicht sicher bin, geliebt zu werden?)
Weil du zu sehr aufs ?u?ere fixiert bist?
Wie kalt wird mir, wenn sie mir sagen, du bist nicht sch?n?
Ich bin nicht sehr gl?cklich im Moment.
Und mir ist kalt.
(Nicht nur, weil ich keine Socken mehr habe. Irgendwie funktioniert unser Trockner nicht mehr und darum habe ich keine Socken mehr, ich wei? aber nicht warum. Alle anderen haben Socken. Ich nicht.)
Mir ist kalt deinetwegen. Und drau?en liegt endlich Schnee. Aber ich habe noch keinen Fu? vor die T?r gesetzt, seit es gestern schneite. (Ohne Socken geht das auch schlecht.) Ich sitze nur hier und starre raus in diese zugeschneite kalte Welt. Ich denke an dich. Und das nimmt mir meine W?rme. Es sollte doch so nicht sein. Du solltest hier sein. Und mich in den Arm nehmen. So lange hat mich niemand mehr in den Arm genommen, so, dass ich mich sicher gef?hlt h?tte. Die Leute umarmen t?glich, zur Begr??ung, zum Abschied. Und ich? Ich sitze hier mit der irren Hoffnung, die Menschheit w?rde ihre Oberfl?chlichkeit und Dummheit irgendwann abstreifen, ihre Blindheit. Ich sitze hier vollkommen alleine und frierend, ich habe nicht mal einen Pullover an, nur ein T-Shirt und eine Cordhose. K?nnt ihr nicht eure d?mliche Massenproduktion von Umarmungen endlich einstellen und sie eine Weile aufstauen, ballen, und mir etwas davon abgeben?
Ich bin ziemlich allein.
Ich friere. Ich muss ins Bett, es ist sp?t. Auf dem Weg ins Bett gehe ich an drei Spiegeln vorbei. Im Bad an zwei. Und durch mein Zimmer. Da h?ngt auch einer an der Wand. Und in jeden dieser Spiegel gucke ich. Und ich werde mich nicht sch?n finden. Denn ich sehe verdammt noch mal traurig aus. Leer.
Du bist nicht hier.
Du bist nicht hier.
Ich m?chte meine Hand doch gern auf dein Herz legen. Und es schlagen h?ren. Es schl?gt sicherlich langsamer als meines und gleichm??iger. Meins stolpert immer mal wieder. Wenn ich dich ansehe, meine Hand auf deinem Herzen. Und es dir dann sage. Dann reicht es doch als Brandmarkung?
Oh mein Gott. Hiermit habe ich gesagt, dass ich dich liebe.
Aber das kann doch nicht sein.
Denn.
Du bist verdammt noch mal nicht hier.
Du bist nicht da.
Du bist weit weg.
Aber.
Du hast mir eine gute Nacht gew?nscht.
Und darum werde ich die jetzt haben.


thoughts: B?r?nice

28.12.05 11:13


gestern Nacht

Ich gehe durch das ganze Haus und mache hinter mir alle Lichter aus. Ich lasse Finsternis zur?ck. Und vor mir ist mein Weg in Licht getaucht. Ich gehe die Steintreppe hoch. Das helle Licht im Flur aus. Die Holztreppe hoch. Die Dunkelheit unter den Stufen greift nach meinen F??en. Aber ich habe die Macht ?ber das Licht. Ich kann es nach Belieben hell und dunkel werden lassen. Ich f?hle mich ein bisschen wie Nevor aus meinem Winterm?rchen. Und bin doch eher wie Maria. Ich habe dieses kleine bisschen Macht, aber die Macht kommt bei mir nicht wie bei Nevor aus mir heraus, nicht aus meinem Herzen und nicht, weil mein Vater Satan ist, aber es ist mir egal, wie Stromkreisl?ufe und so funktionieren. F?r diesen Moment mitten in der Nacht gestern bin ich wie Nevor ein Kind der Dunkelheit, das mit Feuer und Licht spielen kann, wie es will. Was danach ist, ist mir egal. Ich f?hle mich stark. Auch wenn meine Beine vor Fiebrigkeit zittern, ich bin stark. Mein Herz ist stark. Mein Wille ist stark. Ich bin vielleicht etwas zu stolz, ich kleines Kind da in der selbstbestimmten Dunkelheit. Stolz macht verletzlich. Aber es ist niemand da au?er mir. Ich stehe verloren und allein im dunklen Treppenhaus und f?hle das Feuer einer Fantasiegestalt in meinem Herzen brennen. Ich bin unbesiegbar.


fantasy: B?r?nice

20.12.05 08:34


F?r Marina

(...eine kleine Abhandlung...weil ich es abgrundtief hasse...ganz schnell hingekrickelt, bevor ich kurz weg muss...)

Ich stritt mich vor einiger Zeit mit meinem Bruder. (Er ist zwei Jahre ?lter als ich.) Wir sa?en hier unten im Wohnzimmer und sahen einander an. Ursache unseres Streits war seine plumpe Aussage gewesen: "Der ist potth?sslich!" (Mal ganz davon abgesehen, dass es hierbei um den Bruder des Typen geht, f?r den ich eine unheimliche Schw?che habe..*zwinker*)
Ich funkelte ihn w?tend an. "Soetwas sagt man nicht."
"Was denn?"
"Man sagt niemals, dass jemand h?sslich ist. Soetwas sagt man einfach nicht."
"Aber es stimmt doch!", grunzte er.
"Trotzdem. Soetwas sagt man einfach nicht." Ich betrachtete das Foto, auf dem der junge Mann abgebildet war. "Ich finde ihn nicht h?sslich. Man sagt soetwas nicht."
Mein Bruder wusste nicht weiter. Im Grunde war ihm vielleicht klar, dass ich Recht hatte. Er z?hlte mir einige Leute auf, die wirklich h?sslich seien und erkl?rte mir, dass seine Freundin das auch f?nde. Ich wiederholte nur, dass es nicht richtig sei, soetwas zu sagen. Er rief seine Freundin runter zu uns und lie? sie wiederholen, was er gesagt hatte. Dass diese Menschen h?sslich seien. Aber ich sch?ttelte den Kopf und schwieg. Ignorierte die beiden. Starrte zornig aus dem Fenster in das tr?be Tal hinab.

Als wenig sp?ter du zu einer unserer anderen Freundinnen sagtest "ich finde den ja h?sslich" (und diesmal ging es um den jungen Mann, in den ich wohl verliebt bin), versetzte mir das einen wirklichen Stich. Ich war verletzt.
Und ich scholt dich daf?r.
Und ich erkl?rte dir, wieso das nicht so ist. Warum er nicht h?sslich ist und es niemals sein wird, auch wenn du das so empfindest.
Ich h?tte sehr gerne geheult, weil ich nicht wusste, ob es dir wirklich klar geworden ist. Ob du nicht weiterhin sagen wirst: "Der ist h?sslich." Oder: "Die ist h?sslich." Einfach, weil du das so siehst.
Ich habe etwas ganz Wichtiges begriffen:
Man ist doch f?r die Menschen, die einen lieben und die man liebt, immer "sch?n". Es ist egal, inwiefern. Es gibt keine h?sslichen Menschen. Liebe macht doch Menschen sch?n. Ich wei? nicht, wie ich das sonst ausdr?cken soll. Ich bin etwas durch-ein-an-der. H?sslich sind allein die Menschen, die das einfach nicht erkennen wollen. Du bist nicht h?sslich, ich bin nicht h?sslich. Ich suche noch nach Worten. Aber gerade jetzt in diesem Moment rudere ich so stark mit den Armen, um mich fortgerissen zu werden von meinen Gedankenfluten, dass ich keine klaren S?tze mehr zu formulieren vermag.

Ich ?berlege noch.
Ich will doch nur, dass du das auch begreifst.
Und ich werde es auch meinem Bruder noch mal sagen.


thoughts: B?r?nice

14.12.05 08:53


[...]
>Das Feuer im Kamin kam ihm ein klein wenig tr?stend vor. Es w?rmte. Feuer hatte f?r ihn sowieso nie etwas Zerst?rendes an sich gehabt, immer nur Geborgenheit.
?Das ist wie mit den Menschen; man muss sie nur unter Kontrolle halten, dann zerst?ren sie nicht, dann t?ten sie nicht. Aber genau wie bei Feuer ist das nicht immer m?glich?, hatte sein Vater einmal gesagt. Er war auch Polizist gewesen. Bei einer Schie?erei ums Leben gekommen.<
[...]


Gerade liegt mein Herz blutend hier neben mir auf dem Tisch. Ich habe es f?r eine Weile herausgenommen.
Als ich im Krankenhaus anrief und fragte, ob eine operative, endg?ltige Entfernung von Herz und Hirn jetzt sofort m?glich sei, sagten sie nein. Nein, nicht beides. Eines von beidem. F?r eines m?sse ich mich entscheiden und au?erdem br?uchte ich einen Termin und eine Beratung.
So, jetzt, hier, verbinden viele kleine und gr??ere rote F?den und Schn?ren das Herz noch mit meinem K?rper. Allm?hlich wird alles sehr rot und nass um mich herum. Es pulsiert und zuckt so komisch, dieses klumpige Etwas.
Au?erdem, so die Frau am Telefon weiter, au?erdem m?sse ich mich entscheiden, durch was ich das entfernte Ding denn ersetzen wolle. Nat?rlich best?nde die M?glichkeit, den Platz einfach frei zu lassen. Aber es k?nne sich dort etwas einnisten, etwas Fremdes und Ungewisses, wogegen ich oder auch ein Facharzt dann nichts tun k?nnte. Deshalb werde den Patienten geraten, etwas anderes dort einzusetzen. Zum Beispiel Stroh gegen das Hirn eintauschen. Das h?tten schon so einige getan. Aber das wisse ich ja sicher. (Ja, tats?chlich, so welche sind mir schon begegnet.) Ich lie? mir einen Termin machen. Entschied mich f?r die Entfernung meines Herzen, Operation in genau drei Wochen. Ein Stein t?te es vielleicht. Ein Stahlklumpen.
Eben dann die seltsame Entt?uschung, als ich mir dieses Ding einmal genauer ansehen wollte, sozusagen als Abschied. Das Organ an sich tut zwar seine Aufgabe, es blutet und pumpt, und das Blut ist auch sch?n rot und warm. Aber das Herz ist sehr klein. Sehr schwarz. Und sehr verschrumpelt. ?ber kurz oder lang werde ich sicher sterben. Darum rufe ich jetzt schnell doch noch mal an, im Krankenhaus. Vielleicht k?nnen sie eine Notoperation vornehmen. Ich will kein Risiko eingehen. Es macht mir etwas Angst, hier so allein mit diesem absto?enden Ding zu sein.



Tomorrow will take us away
Far from home
No one will ever know our names


komm und hilf mir. bitte.


fantasy: B?r?nice

10.12.05 22:42





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